Ulf Sonntag ConsultingKontaktImpressumDatenschutz      
AngebotBeschaffungsberatungZertifizierung vorbereitenZertifizierung beibehaltenCoC für kleine BetriebeKompetenzenBeschaffung / EUTRFSC-ZertifizierungPEFC-ZertifizierungISO Chain of CustodyÜber unsREFERENZENFirmenporträtServiceKUNDEN LOGINMitteilungenClaim-Rechner

„Die Zertifizierung ist sehr gut abgelaufen. Ihre Vorbereitung mit uns hat Erfolg gezeigt.“ 

Dieter Schürmann, Pfleiderer Teisnach GmbH & Co. KG

alle Kundenstimmen

FSC-Mitglieder im Portrait: Ulf Sonntag

Datum: 10.02.2011
Portraitfoto Ulf Sonntag

Ulf Sonntag ist dem FSC schon lange verbunden. Er war für den WWF Deutschland tätig und persönlicher Assistent des ehemaligen Vorsitzenden von FSC Deutschland, Hermann Graf Hatzfeldt. Seit rund fünf Jahren arbeitet der Diplom- Holzwirt als FSC-COC-Auditor für die GFA Consulting Group und als Berater, um Unternehmen auf dem Weg zur FSC-Zertifizierung zu begleiten. Seit 2005 ist Ulf Sonntag Mitglied des FSC Deutschland.

EM: Herr Sonntag, können wir uns duzen?

US: Gerne. Das passt zur Philosophie von FSC Deutschland und gefällt mir gut. Manchmal denke ich allerdings, dass es beim FSC etwas zu familiär zugeht.

EM: Oh, das geht ja gut los. Wie meinst Du das?

US: Ich habe hier und da den Eindruck, dass sich der FSC seiner globalen Bedeutung und Relevanz im Markt selbst nicht ganz bewusst ist. Das adäquate Mitwachsen und die notwendige Professionalisierung der Organisation sind sicher große Herausforderungen, gehen aus meiner Sicht aber nicht schnell genug. Das denke ich über FSC Deutschland wie über den FSC International. Kommen global agierende Unternehmen zum FSC nach Bonn, erwarten sie ihn eher im Post-Tower als im Bungalow daneben.

EM: Was würdest Du denn anders machen?

US: Versteh mich nicht falsch, ich könnte es vermutlich nicht besser und habe große Hochachtung vor jedem Schritt, der gemacht wird.

EM: Jetzt bin ich überrascht. Wieso die Hochachtung?

US: Weil ich den FSC mittlerweile so gut kenne, dass ich Respekt habe vor jeder Entscheidung, die getroffen wird, und jeder Maßnahme, die umgesetzt wird. Eines der wertvollsten, aber auch kompliziertesten Elemente des FSC ist das Drei- Kammer-System. Es stellt sicher, dass ökologische, soziale und ökonomische Interessen gleichermaßen berücksichtigt werden. Das hat extrem schwierige Diskussionsprozesse und lange Entscheidungswege zur Folge. Aber es funktioniert seit Gründung des FSC und führt zu hoher Anerkennung und Glaubwürdigkeit. Das ist beeindruckend und meines Wissens einzigartig.

EM: Gut die Kurve gekriegt. Aber ein paar konstruktive Vorschläge hast Du auch, oder?

US: Ich beobachte, dass immer wieder neue Baustellen aufgemacht werden, ohne die alten ordentlich abgeschlossen zu haben, und das bei chronisch mangelnden Ressourcen. Oder gerade deshalb? Eine Fokussierung auf die Kernaufgaben wäre aus meiner Sicht sinnvoll. Lieber weniger machen, das dann aber richtig. Bei FSC Deutschland kommt der Wald etwas zu kurz. Die Mehrheit der deutschen Waldbesitzer fühlt sich im FSC offenbar nicht gut aufgehoben. Das ist schade. Vor allem aber mangelt es an guter Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Zu viele Anfragen und Image schädigende Aussagen in den Medien bleiben unbeantwortet. Beim FSC passieren viele gute Dinge, die aber nicht, nicht optimal oder nicht schnell genug kommuniziert werden.

EM: Der FSC lebt von Beteiligung. Wie bringst Du Deine Gedanken ein?

US: Zu Detailfragen in meinen Fachgebieten habe ich natürlich auch konkrete Vorschläge, die ich beispielsweise im FSC -Marktausschuss einbringe. Erstmalig habe ich mich in diesem Jahr auch an der Formulierung von Anträgen an die internationale Mitgliederversammlung des FSC beteiligt.

EM: Worum geht es da?

US: Mein Anliegen in diesem Zusammenhang ist die Weitergabe von Holzart und -herkunft durch die zertifizierte Produktkette, vom Wald bis zum Hersteller des Endproduktes. Dies sollte meines Erachtens als Anforderung in den Chain-of-Custody-Standard aufgenommen werden. Im Rahmen der EU-Richtlinie zur Vermeidung von illegalem Holz werden diese Angaben bei uns in 2013 gesetzliche Vorgabe, zumindest für Importe, und in der Schweiz gibt es seit letztem Jahr eine Deklarationspflicht. Also wieso sollte man nicht bereits bestehende Systeme entsprechend anpassen und nutzen?!

EM: Wir sind gespannt, was die General Assembly dazu sagen wird. Wo siehst Du Dich im Gesamtsystem FSC?

US: Ich beschäftige mich übergreifend mit dem Themengebiet der verantwortungsvollen Holzbeschaffung, wobei FSC ein wichtiger Baustein ist. Dabei sehe ich mich als Schnittstelle zwischen den Unternehmen in der Produktkette, die die Zertifizierungsanforderungen umsetzen müssen, und dem technischen Regelwerk, das sie vorgibt. Als Auditor kontrolliere ich deren Einhaltung durch zertifizierte Firmen, als Berater gebe ich Unternehmen Hilfestellungen, die Standards zu erfüllen. Sei es bei der Zertifizierungsvorbereitung oder der Aufrechterhaltung bestehender Zertifikate. Dabei versuche ich, eher sachlich pragmatisch als politisch zu sein, obwohl mir das zugegebenermaßen auch nicht immer leicht fällt.

EM: Was meinst Du damit?

US: Ideologie hilft Unternehmen nicht weiter, die sich wegen Kundennachfragen zertifizieren lassen möchten, um nicht zu sagen, müssen. Und schon gar nicht Unternehmen, deren Zertifikat in Gefahr ist, weil Abweichungen festgestellt wurden. Da geht es um technische Fragen, um die Anpassung von Management- oder Warenwirtschaftssystemen. Was zählt, sind die Regularien des FSC-Systems. Auf der anderen Seite bin ich auch persönlich von der Idee, die hinter FSC steckt, überzeugt und versuche, die Begeisterung für die Sache in die Welt zu tragen.

EM: Das freut uns. Der FSC ist ein freiwilliges System und Du sagst „müssen"? Aus welchen Gründen lassen sich Unternehmen in der Produktkette denn zertifizieren?

US: Es gibt große Player im Markt, die sich für FSC entscheiden, zum Beispiel Baumärkte, ein bekanntes schwedisches Möbelhaus oder zunehmend auch Lebensmitteldiscounter. Nicht zu vergessen, die Regierungen mit Vorgaben für die öffentlich Beschaffung von Holz- und Papierprodukten. Das ist gut, denn die setzen richtig viel in Bewegung. Die Anforderung „FSC" zieht sich dann nach und nach durch die Produktkette. Somit ist der meist genannte Grund für die Zertifizierung die Kundenanforderung. Neben der Sicherung bestehender Marktanteile und Kunden bringt FSC eine ganze Menge anderer Vorteile mit sich, z.B. die Möglichkeit zur Erschließung neuer Märkte oder als Marketinginstrument, um die Übernahme von Verantwortung zu kommunizieren. Und das mit hoher Glaubwürdigkeit, denn die Umstellung eines Produktes auf FSC ist ein echter Beitrag zur verantwortungsvollen Ressourcennutzung.

EM: Du sagtest vorhin, dass Unternehmen Deine Beratung in Anspruch nehmen, weil sie Ihr Zertifikat aufrecht erhalten müssen. Ist das denn so schwierig?

US: Mit der Zertifikatsvergabe ist es nicht getan. Man muss einiges tun, um die Zertifizierung aufrecht zu erhalten. Die für das Erstaudit beschriebenen Maßnahmen müssen auch umgesetzt werden und die FSC-Anforderungen ändern sich nicht gerade selten. Mittlerweile sind die Korrekturmechanismen des FSC-Systems klar definiert und recht strikt, was ich gut finde, da das die Glaubwürdigkeit des Systems ausmacht. Dass man sein FSC-Zertifikat tatsächlich auch verlieren kann, zeigt ein Blick in die FSC-Datenbank: Dort sind derzeit über 400 suspendierte Zertifikate gelistet.

EM: Woran arbeitest Du aktuell?

US: Neben der Zertifizierungsvorbereitung einiger Firmen aus den Bereichen Verpackungsmittel, Möbel und Druckindustrie sowie meiner Auditorentätigkeit, beschäftigt mich derzeit vor allem das Thema Gruppenzertifizierung. Mit diesem Ansatz können sich kleine Unternehmen zur gemeinsamen Zertifizierung zusammenschließen. In anderen Ländern wird diese Variante in der Produktkette schon gut angenommen. Bei uns in Deutschland gibt es nur einzelne recht kleine Gruppen.

EM: Können wir das ändern?

US: Es hat aus meiner Sicht zwei Gründe, weshalb sich das Instrument der Gruppenzertifizierung in Deutschland noch nicht durchgesetzt hat: Zum Einen ist es wirklich nur für sehr kleine Unternehmen anwendbar, solche mit höchsten 15 Beschäftigten oder maximal 1 Mio. US$ Umsatz. Zum Anderen muss es bei jeder Gruppe eine Gruppenleitung geben, die eine sehr hohe Verantwortung trägt, entsprechendes Know-How haben muss und natürlich die Ressourcen, um die Aufgabe zu übernehmen. Die USA hat als erstes Land die Kriterien angepasst und die Teilnahme auf Unternehmen mit maximal 5 Mio. US$ Umsatz begrenzt, also hoch gesetzt. Ich setze mich dafür ein, dass auch in Deutschland eine Anpassung der Kriterien erfolgt, um mehr kleinen Betrieben einen einfacheren Zugang zur Zertifizierung zu ermöglichen.

EM: Welche Unternehmen betrifft das denn?

US: Es gibt in Deutschland beispielsweise rund 10.000 Druckereien. Davon sind knapp 400 zertifiziert, unter ihnen viele relativ große Unternehmen. Über 80 Prozent der deutschen Druckereien haben aber weniger als 20 Beschäftigte. Für die meisten von denen wird eine Einzelzertifizierung zu aufwändig und zu teuer sein.

EM: Und wer übernimmt dann die Aufgabe der Gruppenleitung?

US: Das hängt davon ab, wer die Gruppe initiiert und wer die Teilnehmer sind. Sicherlich wäre Gruppenzertifizierung beispielsweise für Branchenverbände ein tolles Angebot an die Mitglieder. Um das erforderliche Know-How einzubringen, biete ich mich gerne als Berater an. Zudem plane ich selbst seit langem die Gründung einer Zertifizierungsgruppe und bitte hiermit interessierte Unternehmen, mit mir Kontakt aufzunehmen. Bei dem Vorhaben gibt es einiges zu beachten, aber ich bin zuversichtlich, dass ich Euch bald Stoff für einen weiteren Newsletter-Artikel liefern werde.

EM: Klingt vielversprechend, wir sind gespannt. Danke für das Gespräch.

US: Ich danke.

Das Gespräch führte Erika Müller, Leiter Öffentlichkeitsarbeit vom FSC Deutschland.

Quelle: FSC Deutschland  


Weitere News:
< Neue Präsenz | FSC®-/PEFC-Zertifizierung | Vorbereitung und Begleitung