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Neuer FSC Controlled Wood Standard: Glaubwürdigkeit gestärkt, Anwendbarkeit erschwert

Datum: 18.01.2016

Für Verbraucher ist es am schönsten, wenn ein zertifiziertes Holz- oder Papierprodukt vollständig aus Holz besteht, das aus zertifizierten Wäldern stammt. Aus Gründen der Verfügbarkeit und großtechnologischer Produktionsprozesse ist dies in vielen Fällen jedoch nicht möglich, weshalb sowohl FSC als auch PEFC die Vermischung mit Holz aus nicht-zertifizierten Wäldern erlauben. Bei FSC wird dies erkennbar durch das FSC Mix Label. Für die Glaubwürdigkeit der Zertifizierungssysteme ist entscheidend, dass das beigemischte Holz nicht aus umstrittenen Quellen stammt. Dazu zählen illegaler Holzeinschlag, Verletzung von Traditions- und Menschenrechten, Zerstörung von besonders schützenswerten Wäldern, Umwandlung von Naturwäldern und genetisch veränderte Bäume. Garantiert werden kann es nicht, aber durch Risikomanagement kann die Wahrscheinlichkeit von Holz aus derart unerwünschten Quellen minimiert werden. Das gemäß FSC-Vorgaben kontrollierte Holz wird FSC Controlled Wood genannt. Das zugrundeliegende Konzept wurde nun überarbeitet, um dem Anspruch „Kein Holz aus umstrittenen Quellen“ besser zu genügen und somit die Glaubwürdigkeit des FSC-Systems zu erhöhen.

Einführung des revidierten FSC Controlled Wood Standards

Ab 01. Juli 2016 tritt der revidierte FSC Controlled Wood Standard FSC-STD-40-005 V3-0 in Kraft. Bereits zertifizierte Unternehmen müssen ihr System innerhalb eines Jahres anpassen. Der Standard ist nach wie vor irrelevant für Unternehmen, die nach dem Transfer System (= physische Trennung) zertifiziert sind, also kein nicht-zertifiziertes Holz in FSC-Produkte beimischen. Ebenfalls nicht angewendet werden muss er von zertifizierten Betrieben, die das Holz als FSC Controlled Wood deklariert, also bereits kontrolliert, von zertifizierten Lieferanten beschaffen.

Die gute Nachricht: Am grundlegenden Konzept hat sich wenig geändert. Es wird ein Risikomanagementsystem verlangt, das aus den Elementen Informationsbeschaffung, Risikobewertung und Risikominderung besteht. Zur Erfüllung dieser Sorgfaltspflicht hat sich im Zuge der EU-Holzhandelsverordnung (EUTR) der Begriff Due Diligence System (DDS) durchgesetzt, der nun auch vom FSC übernommen wurde. Nachdem Informationen zum Material, im Wesentlichen zu Holzarten und Holzherkünften, aber auch zur Lieferkette beschafft wurden, muss das Risiko bezüglich Holz aus umstrittenen Quellen bewertet werden. Dabei wird unterschieden zwischen dem Risiko am Ort des Holzeinschlags und einem Vermischungsrisiko in der Lieferkette. Für Letzteres fehlen im Standard jedoch jegliche Vorgaben.

Verwendung offizieller FSC-Risikobewertungen

Während für die Betrachtung der Holzherkunft lange firmeneigene Risikobewertungen zulässig waren, dürfen zukünftig nur noch vom FSC erarbeitete Risikobewertungen verwendet werden. Im FSC Global Risk Registry (http://www.globalforestregistry.org/) entsteht eine Bewertung der Regionen dieser Erde hinsichtlich des Risikos einzelner Kategorien von umstrittenen Quellen. Da noch nicht für alle Länder Risikobewertungen vorliegen und die bestehenden Bewertungen aufgrund revidierter Prozeduren überarbeitet werden müssen, musste der FSC Übergangslösungen finden. Dies macht den Standard unübersichtlich und kompliziert. Die Vorgaben zur Durchführung eigener Risikobewertungen sind sehr detailreich, erfordern hohes Fachwissen und enormen Aufwand, bis hin zur Einbeziehung von Experten und Interessensgruppen (Stakeholdern). Es fällt sicher schwer, sich damit zu beschäftigen und die große erforderliche Investition aufzubringen, ist die Übergangszeit für eigene und veraltete Risikobewertungen doch bis 31.12.2017 befristet. Danach sind nur noch die offiziellen Risikobewertungen vom FSC gültig, deren Erstellung bis dahin abgeschlossen sein soll.

Glücklich schätzen können sich diejenigen Unternehmen, deren Holzquellen in Niedrig-Risiko-Gebieten liegen. Dann kann das Holz bedenkenlos eingesetzt werden. Dies ist jedoch nur der Fall, wenn das Risiko in allen fünf Kategorien von umstrittenen Quellen als niedrig bewertet wurde, was bei relativ wenigen Ländern der Fall sein wird. Komplett niedriges Risiko ist im Wesentlichen nur in Zentraleuropa und Nordamerika zu erwarten. Der partizipatorische Ansatz des FSC gilt auch hier, sodass man sich an der Erarbeitung der Risikobewertungen beteiligen kann. Allerdings ist dies extrem komplex und erfordert hohes Fachwissen, sodass fraglich ist, welche Interessenten dafür Kapazitäten bereitstellen können. Vermutlich beteiligen sich Umweltverbände aktiver als Vertreter der Industrie, sodass die Ergebnisse entsprechend ausfallen werden. Die gesamte Entwicklung und deren Relevanz ist sicher auch noch nicht bei allen relevanten Zertifikatshaltern angekommen.

Einführung von Kontrollmechanismen zur Risikominderung

Im Folgenden müssen von den zertifizierten Unternehmen für die Controlled Wood Kategorien, in denen ein Risiko besteht, wirksame Kontrollmechanismen eingeführt werden. Im besten Fall sind diese dann bereits vom FSC in der offiziellen Risikobewertung definiert, anwendbar und praktikabel. Im schlechtesten Fall sind diese von den Zertifikatshaltern unter Einbeziehung von Fachexperten und Interessensgruppen zu erarbeiten und erfordern Audits der Lieferkette und im Wald. Ein Blick in die dafür bereitgestellten Prozeduren zeigt, dass dies nur mit enormem Aufwand und extrem guter Kenntnis der Herkunftsbetriebe und Herkunftswälder zu bewerkstelligen sein wird.

Fazit

Inwieweit das neue Konzept zur Vermeidung von Holz aus umstrittenen Quellen in der Praxis umsetzbar ist, muss sich zeigen. Es hängt im Wesentlichen von den Ergebnissen der offiziellen Risikobewertungen und den darin vorgegebenen Kontrollmechanismen ab. Insgesamt wird der Aufwand für den Einsatz von nicht-FSC-zertifiziertem Holz in FSC-Produkten in vielen Fällen ansteigen, was auch eine Marktveränderung nach sich ziehen wird. Im besten Fall führt es zu mehr Waldzertifizierung, vor allem in kritischen Holzherkunftsländern. Im schlechtesten Fall wenden sich sehr bedeutende Unternehmen von FSC ab. Betroffen sind vor allem die Holzwerkstoffindustrie, die Zellstoff- und Papierindustrie, Säge- und Furnierwerke sowie Händler. Aber wenn der neue FSC Controlled Wood Standard angenommen wird und funktioniert, hat der FSC in puncto Vermeidung von Holz aus umstrittenen Quellen seine Glaubwürdigkeit entscheidend verbessert, einen großen Beitrag zu verantwortungsvoller Holzbeschaffung geleistet, und die Kritik am FSC Mix Label wird nachlassen.

Autor: Ulf Sonntag

Dieser Beitrag wurde am 05.02.2016 im Holz-Zentralblatt veröffentlicht
(Glaubwürdigkeit gestärkt, Anwendbarkeit erschwert).


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